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Gedanken an das Aufgeben

Man kann an einen Punkt kommen, an dem man denkt, keine Kraft mehr zu haben für den Weg, der vor einem liegt – es ist ein Moment, an dem man aufgeben will.

Mit 23 Jahren erhielt Franziska Krause eine Krebsdiagnose. Mit beeindruckender Offenheit und Klarheit geht sie mit der Diagnose Hodgkin-Lymphom um.

Porträt Franziska Krause

Gedanken an das Aufgeben

Franziska Krause sagt:

Ich glaube, der tiefste Punkt war, zu verstehen von meiner anfänglichen „Ich mach so weiter wie bisher“-Einstellung. Und das ist ja nun ein halbes Jahr zu: „Moment mal, das geht gar nicht.“ Und das ist ein Bild, das ich immer ganz gerne benutze, irgendwie eine Zeit lang habe ich immer sehr stark versucht, so zu tun, es wäre nichts, indem ich es bestimmten Freundinnenkreisen nicht erzählt habe. Bestimmte Menschen wussten es nicht und das war in der ersten Zeit total gut. Das war wie so ein kleiner Urlaub, ich habe mich dann vielleicht irgendwie abends doch noch in der Bar getroffen, darauf geachtet, dass da nicht geraucht wird, aber sonst meine Krankheit verheimlicht, weil mir das gut getan hat, nicht die Reaktion zu sehen, nicht aushalten zu müssen, dass jemand Mitleid mit mir hat. Ich erinnere mich an einen Abend ganz speziell, wo ich da saß und diese Gespräche geführt habe und so tat und irgendwas erzählte, was mir im Alltag passiert ist, und dachte: „Nein, das ist wow.“ Ich bin auch nach Hause gefahren, habe den ganzen Nachhauseweg geweint, weil ich gemerkt habe: „Das fühlt sich an wie ein Kostüm, das fühlt sich an wie ein Kostüm von Franziska von 2012 und das passt mir nicht mehr. Und so geht es nicht weiter.“ Und ich glaube, das war das erste Mal, wo ich mich überfordert gefühlt habe. Und ich habe das immer so beschrieben: „Überforderung, das kennst du, das passiert immer mal irgendwie, ist der eine Termin zu viel. Aber Krebs haben, so jung zu sein, überfordert dich auf allen Ebenen so sehr“, dass ich in dem Moment wirklich ganz klar irgendwie auf diesem Nachhauseweg weinend irgendwie dachte: „Ich habe Angst, ich verliere mich selbst. Ich weiß nicht mehr, wer ich bin. Ich guck in den Spiegel: Kenn ich nicht. Ich bin auf dieser Party, die Person, die da spricht, bin ich nicht, das ist ein Kostüm.“ Ich musste vor allem akzeptieren, dass das jetzt ein Teil von mir ist. Und ich glaube, das wollte ich nicht. Das tut weh, das tat sehr weh, weil ich immer dachte: „Gut, halbes Jahr, dann ist das abgehakt und dann mache ich weiter.“ Und ich merke ja auch jetzt, dass das nicht vorbei ist, sondern dass ich wahrscheinlich froh darüber bin, dass das nicht vorbei ist, dass ich solche Interviews habe wie heute, wo ich einfach auch für mich selber noch mal abchecken kann: Was hat sich verändert? Was ist anders geworden? Aber ich weiß noch, dieser Nachhauseweg, den ich da hatte nach dieser einen Party, ich war einfach, klar, wie es halt ist, im Bus sitzend, tausend Menschen um mich herum und ich war trotzdem einfach einsam und wusste nicht mehr, wer ich bin. Ich wusste, ich fahre jetzt nach Hause, aber das, was Menschen in mir sehen, bin ich nicht mehr. Und das ist auch heute noch so, auch heute gibt es noch Momente, in denen ich merke: „Hm, das ist neu, wo kommt das denn her?“ Und vielleicht geht das anderen Menschen auch so, vielleicht ist das für mich nur so ein einschneidendes Erlebnis gewesen, weil sich so viel auf einmal verändert hat. Aber ja, das war das Tief, das war der Moment, wo ich gemerkt habe, ich kann nicht mehr so tun, als wäre nichts. Ja, ich glaube, ganz viele Menschen, und das ist auch so eine Rhetorik, die irgendwann einfach zu viel wird, gratulieren mir ständig für meine Stärke und für mein Durchhaltevermögen und: „Ich hätte das nicht geschafft“, und ich denke mir ganz oft, ich hatte gar keine andere Wahl. Und ich empfinde das, sich zu entscheiden, nicht dem Protokoll zu folgen, nicht auf die Ärztinnen zu hören, empfinde ich als eine so viel schwierigere Entscheidung, als so eine viel größere Stärke, zu sagen: „Ich mach nicht mehr weiter.“ Und in den Momenten, in denen ich dachte: „Ich kann nicht mehr, es dauert noch so lange, ich muss noch so oft“, muss ich sagen, hatte ich Angst davor, zu sagen: „Ich kann nicht mehr“, hatte ich Angst davor, zu sagen: „Ich schmeiß alles hin.“ Und vielleicht hat mich tatsächlich so ein gewisses Feige-Sein, ich weiß nicht, ob man es „feige“ nennen kann, aber so eine gewisse Art von: „Ich könnte mit der Konsequenz nicht leben, ich könnte nicht aufhören, dafür zu kämpfen, weil mir das Angst macht“, hat mich da immer wieder rausgeholt. Aber den Gedanken: „Ich kann nicht mehr“, den gab es mehr als einmal.

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