Im Fokus: Prostatakrebs – Therapien heute und morgen
Dies ist ein Veranstaltungsinhalt von SURVIVORS HOME am 19.02.2026.
Im Beitrag sprechen Prof. Dr. med. Gunhild von Amsberg vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und Prof. Dr. med. Peter Hammerer vom Klinikum Braunschweig mit Moderatorin Kristin Hendinger über den aktuellen Stand der Diagnostik und Therapie des Prostatakarzinoms. Grundlage des Gesprächs sind die neuesten Erkenntnisse vom Deutschen Krebskongress in Berlin .
Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich Prostatakrebs heute frühzeitiger und gezielter erkennen lässt. Der PSA-Bluttest bleibt ein wichtiger Baustein der Früherkennung. Ergänzend gewinnt die moderne Bildgebung, insbesondere die MRT, an Bedeutung, um aggressive Tumoren besser zu identifizieren. Ziel ist es, behandlungsbedürftige Verläufe von langsam wachsenden, wenig aggressiven Tumoren zu unterscheiden. Bei niedrigem Risiko wird zunehmend die aktive Überwachung empfohlen, um unnötige Therapien und deren Nebenwirkungen zu vermeiden. Auch genetische Risikofaktoren und polygenetische Tests werden erforscht, um die Vorsorge künftig individueller zu gestalten.
In der Therapie bleibt bei lokal begrenztem, aggressivem Prostatakrebs die Operation oder Bestrahlung Standard. Bei fortgeschrittener oder metastasierter Erkrankung kommen systemische Therapien zum Einsatz. Die Hormontherapie bildet weiterhin die Basis der Behandlung, da das Tumorwachstum wesentlich durch Testosteron gesteuert wird. Moderne antihormonelle Substanzen können auch dann wirksam sein, wenn der Krebs trotz Hormonentzug weiterwächst.
Die Chemotherapie behält ihren Stellenwert, wird jedoch durch neue, gezielt wirkende Konzepte weiterentwickelt. Dazu zählen sogenannte Antikörper-Wirkstoff-Konjugate, die zellgiftige Substanzen möglichst selektiv in Krebszellen einschleusen. Ebenso wird die PSMA-Radioligandentherapie erläutert: Hier wird eine radioaktive Substanz gezielt an Tumorzellen gebunden, um diese von innen heraus zu bestrahlen. Diese Therapie stellt eine wirksame Option dar, ist jedoch keine Heilung in der metastasierten Situation und erfordert eine sorgfältige Auswahl geeigneter Patienten.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Individualisierung der Behandlung. Die Referenten betonen, dass nicht mehr ein einheitliches Schema für alle Betroffenen gilt. Neben Tumorstadium und biologischen Eigenschaften werden Begleiterkrankungen, Lebenssituation und persönliche Ziele des Patienten berücksichtigt. Therapieentscheidungen erfolgen interdisziplinär im Tumorboard zertifizierter Zentren und im gemeinsamen Austausch mit dem Patienten.
Auch neue immuntherapeutische Ansätze werden vorgestellt. Während klassische Immuntherapien beim Prostatakrebs bislang nur begrenzt wirksam sind, zeigen neuartige Konzepte wie T-Zell-Engager erste vielversprechende Ergebnisse in Studien. Zudem wird der mögliche Einsatz von mRNA-Technologien in der Krebsmedizin diskutiert, wenngleich eine Impfung gegen Prostatakrebs derzeit noch nicht zur Verfügung steht.
Neben der Wirksamkeit rückt der bewusste Umgang mit Nebenwirkungen in den Fokus. Eine offene Kommunikation, frühzeitige Begleittherapien und die Einbindung von Angehörigen tragen wesentlich dazu bei, Belastungen zu reduzieren und Lebensqualität zu erhalten.
Abschließend unterstreichen die Experten die Bedeutung der Früherkennung und einer informierten, gemeinsamen Entscheidungsfindung. Der Beitrag vermittelt Hoffnung: Die medizinische Forschung entwickelt sich dynamisch weiter, Therapien werden präziser und individueller, und viele Patienten können heute auch mit fortgeschrittener Erkrankung über viele Jahre gut leben.
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