Workshop KI im Alltag mit Krebs – Energie sparen, klar kommunizieren (Teil 3)
Dies ist ein Veranstaltungsinhalt von SURVIVORS HOME am 13.05.2026.
Im dritten Teil der Wissensreihe „KI im Alltag“ zeigt Franziska Ivens, Betroffene und Expertin für KI und Digitalisierung im Gesundheitswesen (Fraunhofer HHI), wie künstliche Intelligenz im Krebsalltag entlastet. Der interaktive Mitmach-Workshop wurde live im SURVIVORS HOME aufgezeichnet und steht als Videobeitrag dauerhaft in der Mediathek zur Verfügung. Im Fokus steht nicht die Medizin, sondern die praktische Entlastung: Aufgaben strukturieren, Prioritäten setzen und mit begrenzter Energie besser durch den Tag kommen.
Der Beitrag baut auf den ersten beiden Teilen auf. Wer neu einsteigt, sieht am besten vorab die Aufzeichnung des ersten Teils. In Teil 1 geht es um die Grundlagen und die Frageformel, in Teil 2 um das Sparringsprinzip und Prüffragen, mit denen sich Falschaussagen der KI erkennen lassen. Teil 2 folgt in Kürze in der Mediathek.
Weniger denken müssen: KI als Entlastung
An Tagen mit wenig Kraft fühlen sich kleine Aufgaben riesig an, Dinge bleiben liegen, Nachrichten werden mehrfach begonnen und nicht abgeschickt. Hier setzt der erste Block an: Die KI dient als kognitiver Entlastungsassistent. Im Live-Beispiel gibt Franziska Ivens eine typische Tageslast ein – mehrere Arzttermine koordinieren, einkaufen, einer Angehörigen antworten, eine Mail an den Arbeitgeber schreiben – und bittet um eine realistische Priorisierung. Die KI ordnet die Aufgaben, nimmt Druck heraus und schlägt konkrete erste Schritte vor.
Entscheidend ist das Nachsteuern: Auf die Rückfrage „Was musst du noch über meine Situation wissen?“ stellt die KI gezielte Fragen, etwa nach dem tatsächlichen Energielevel oder dem Ziel einer Nachricht. Wird die Liste zu lang, lässt sie sich auf wenige Rückfragen reduzieren. Die KI nimmt das Denken nicht ab, aber sie hilft, vorbereitet zu sein und den Anspruch an sich selbst zu senken.
Schonenergie-Tagesplan bei Fatigue
Der zweite Block widmet sich Fatigue und Tagesstruktur. Wer erschöpft oder vor Terminen angespannt ist, kann sich oft schwer koordinieren. Das Ziel ist nicht, mehr Energie zu schaffen, sondern die vorhandene Energie klüger einzuteilen, damit sie länger reicht. Im Beitrag entsteht Schritt für Schritt ein persönlicher Schonenergie-Tagesplan: morgens die Muss-Aufgaben, großzügige Erholungszeiten, eine klare Unterscheidung zwischen Muss- und Kann-Aufgaben sowie eine Minimalversion für den Fall, dass die Energie plötzlich einbricht.
Auch hier zeigt sich: Die erste Antwort passt nicht für alle. Wer zu viel Struktur als Belastung empfindet, lässt den Plan reduzieren; wer mehr Halt braucht, lässt ihn ausbauen. Als visuelle Hilfe dient eine Energieampel – grün gut machbar, gelb nur bei Restkraft, rot heute lieber nicht. Den fertigen Plan kann man sich als Dokument ausgeben lassen und ausdrucken. Ich muss heute nicht alles schaffen, sondern nur das sichern, was mich stabil hält.
Schwierige Kommunikation leichter machen
Absagen, Grenzen setzen, das Umfeld informieren oder um Unterstützung bitten: In schwierigen Phasen fehlen oft die Worte. Die KI hilft, Klarheit zu gewinnen und Nachrichten zu formulieren – die Entscheidung bleibt bei der Person selbst. Am Beispiel einer Nachricht an den Arbeitgeber wird gezeigt, wie sich aus einem ersten, noch unspezifischen Entwurf durch Rückfragen und Varianten ein passender Ton entwickeln lässt, etwa wertschätzend, knapp oder klar abgrenzend.
Wichtig bleibt der bewusste Umgang: Eine KI-Formulierung ist ein Vorschlag, kein fertiger Text, und ersetzt nicht das persönliche Wort. Brauchbar wird eine Nachricht erst, wenn die eigenen Inhalte und der eigene Kontext ergänzt werden.
Das Advisory Board: mehrere Perspektiven in einem Chat
Manchmal reicht eine Stimme nicht. Franziska Ivens stellt ein spielerisches Advisory Board vor – mehrere feste Rollen, die in einem Chat gemeinsam antworten und unterschiedliche Perspektiven einnehmen: Marie Kondo fürs Reduzieren, Gordon Ramsay für klare Ansagen, Columbo für die letzte offene Frage vor einem Termin, Yoda für Prioritäten bei wenig Energie, Sherlock Holmes für blinde Flecken und Pippi Langstrumpf für den mutigen, unkonventionellen Blick.
Technisch handelt es sich um ein vordefiniertes Modell („Custom GPT“), das mit „Alle:“ alle Stimmen anspricht oder gezielt eine einzelne Figur. Jede Rolle antwortet mit einer Kernfrage und einem konkreten nächsten Schritt. Eingaben bleiben dabei privat und sind für Dritte nicht einsehbar. Den direkten Zugang sowie Beispiel-Prompts enthält die Anleitung zum Download.
Fünf Rettungsprompts für den Alltag
Zum Abschluss gibt es fünf erprobte Rettungsprompts für wiederkehrende Situationen: Organisation, Kommunikation, Energie und Tagesstruktur, Vorbereitung von Arztterminen sowie Gedanken sortieren. Jeder Prompt lässt sich an die eigene Lage anpassen und endet mit der Frage, was die KI noch wissen muss – das macht die Antworten gezielter. Die Prompts funktionieren bewusst auch an schlechten Tagen.
Anleitung und Handout zum Download
Zur Veranstaltung stehen zwei Materialien bereit: die Anleitung zum Advisory Board mit Schritt-für-Schritt-Erklärung und Beispiel-Prompts sowie das Handout zum Workshop mit den Prompt-Blöcken und den fünf Rettungsprompts zum Mitnehmen.
Alle drei Teile der Wissensreihe „KI im Alltag“
Dieser Beitrag ist Teil 3 einer dreiteiligen Wissensreihe, die aufeinander aufbaut. In Teil 1 geht es um die Grundlagen: KI verstehen und erste Schritte – persönliche Assistenz im Krankheitsalltag. Teil 2 zeigt, wie sich KI gezielt für Arztgespräche, Befunde und Entscheidungen nutzen lässt: KI als Sparringspartner für Arztgespräche. Für den Einstieg empfiehlt es sich, die Teile in dieser Reihenfolge anzusehen. Alle Aufzeichnungen stehen dauerhaft in der Mediathek zur Verfügung.
Ein Hinweis bleibt durchgängig wichtig: KI ist hier ein Werkzeug zur Entlastung, kein Ersatz für medizinische, psychologische oder rechtliche Beratung. Persönliche Daten gehören nicht in die Eingabe – die einfache Regel lautet: kein Name, kein Datum, keine Klinik. Bei akuten Beschwerden oder starker Belastung ist das Behandlungsteam die richtige Anlaufstelle. Der vollständige Videobeitrag steht dauerhaft in der Mediathek von CancerSurvivor – Menschen mit Krebs zur Verfügung.