Ernährungs-Coach: Mythen und Fakten zur Ernährung bei Krebs
Dies ist ein Veranstaltungsinhalt von SURVIVORS HOME am 25.03.2026.
Im Beitrag der Wissensreihe Ernährungs-Coach gibt Nathalia Behrendt, Diätassistentin bei konZ-E-B-T Care, einen verständlichen Überblick über verbreitete Mythen rund um Ernährung und Krebs. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Aussagen sich hartnäckig halten, obwohl sie sich so pauschal nicht belegen lassen, und woran sich Betroffene bei der Einordnung orientieren können.
Zucker: kein einfacher Hebel gegen Krebs
Ein Schwerpunkt des Vortrags ist der Mythos, Krebs lasse sich durch den vollständigen Verzicht auf Zucker oder Kohlenhydrate „aushungern“. Nathalia Behrendt erklärt, dass Tumorzellen zwar Glukose verstoffwechseln, dies aber kein Alleinstellungsmerkmal ist, weil auch gesunde Zellen auf Glukose als Energiequelle angewiesen sind. Daraus folgt nach ihrer Einordnung nicht, dass Zucker pauschal gemieden werden muss. Vielmehr betont sie, dass gerade während Chemotherapie, Bestrahlung oder nach Operationen eine ausreichende Energie- und Nährstoffzufuhr wichtig bleibt.
Die Kernaussage lautet: Ein moderater Umgang mit Zucker und Kohlenhydraten ist möglich, pauschale Verbote helfen bei der Krebstherapie nicht weiter.
Aprikosenkerne und „Vitamin B17“: keine sinnvolle Alternative
Ein weiterer Mythos betrifft Aprikosenkerne und das angebliche „Vitamin B17“. Im Vortrag wird erklärt, dass es sich dabei nicht um ein echtes Vitamin handelt, sondern um Amygdalin, einen pflanzlichen Inhaltsstoff, der beim Verdauen Blausäure freisetzen kann. Nathalia Behrendt ordnet diese Erzählung klar als problematisch ein: Es gebe keine belastbare Grundlage dafür, dass Aprikosenkerne Krebs behandeln können, zugleich bestehe ein Vergiftungsrisiko.
Wichtig ist hier vor allem: Von vermeintlich „natürlichen“ Krebsmitteln ohne belastbare Daten ist Vorsicht geboten. Sie ersetzen keine medizinische Therapie.
Keimarme Ernährung: nicht automatisch notwendig
Auch die keimarme Ernährung wird als häufige, aber oft zu pauschale Empfehlung besprochen. Der Beitrag macht deutlich, dass eine Chemotherapie das Immunsystem zwar belasten kann, daraus aber nicht automatisch folgt, dass alle Betroffenen rohkostfrei oder besonders strikt essen müssen. Nathalia Behrendt verweist darauf, dass das Immunsystem komplex ist und der Körper mehrere Schutzmechanismen besitzt. Eine keimarme Ernährung kann in besonderen Situationen relevant sein, etwa bei stark unterdrücktem Immunsystem oder bestimmten Transplantationssituationen, sollte aber nicht verallgemeinert werden.
Fragen aus dem Alltag: Vitamine, Himbeeren, Omega-3 und Milch
Im Frageteil geht es um Nahrungsergänzungsmittel und einzelne Lebensmittel, denen oft eine besondere Wirkung zugeschrieben wird. Die Referentin betont, dass Vitamine nicht grundsätzlich in höherer Dosis nötig sind und eine Ergänzung vor allem dann sinnvoll ist, wenn ein Mangel tatsächlich nachgewiesen ist. Auch sogenannte Wunderlebensmittel wie Himbeeren werden relativiert: Ernährung kann unterstützen, aber kein einzelnes Lebensmittel beseitigt einen Tumor.
Bei Themen wie Omega-3, Fleisch oder Milchprodukten plädiert der Beitrag für eine differenzierte Einordnung statt für starre Verbote. Entscheidend sei, Quellen kritisch zu prüfen, nicht auf Werbeversprechen hereinzufallen und individuelle Fragen immer mit dem behandelnden Arzt oder einer qualifizierten Ernährungsfachkraft zu besprechen.
Orientierung statt Verunsicherung
Der Videobeitrag macht deutlich, wie schnell sich Mythen im Umfeld einer Krebserkrankung verbreiten. Zugleich zeigt er, dass eine sachliche Einordnung möglich ist, wenn Aussagen kritisch geprüft und verlässliche Quellen genutzt werden. Ziel ist nicht die Suche nach einer „Krebsdiät“, sondern eine realistische, alltagsnahe Orientierung für Betroffene und Angehörige.
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