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Abwendung anderer Menschen

Krebs ist ein schweres Schicksal – nicht nur für Betroffene, sondern auch für das gesamte Umfeld. Es kann passieren, dass sich Menschen von einem abwenden.

Barbara Baysal erlebte immer wieder Höhen und Tiefen während ihrer Erkrankung. Der Lungenkrebs war ein Wendepunkt in ihrem Leben, und es gelang ihr, sich dem Leben wieder anzuvertrauen.

Porträt Barbara Baysal

Abwendung anderer Menschen

Barbara Baysal sagt:

Es gab schon Menschen, die sich abgewandt haben, aber nicht andere Straßenseite, sondern die haben sich einfach nicht mehr gemeldet. Die waren nicht mehr präsent. Auf der anderen Seite konnte ich es verstehen, weil ein Kollege meines Mannes hatte Krebs. Und immer wenn ich ihn gesehen habe, wusste ich nicht, wie spreche ich mit ihm. Und habe natürlich auch versucht, immer – Wie sagt man so schön? – das Weite zu suchen, weil ich immer dachte, wenn ich ihn jetzt frage: „Wie geht‘s dir?“, wie kommt das bei ihm an? Und hatte dann aber mal vor meiner Erkrankung das Pech oder Glück, weil mangels freier Betten bin ich auf der onkologischen Station gelandet mit so einer Panikattacke. Und da kam eine Patientin rein, die zur Chemotherapie kam, und das erste, was sie machte, sie schmiss ihre Perücke auf das Bett und sagte: „So, jetzt bin ich zu Hause“, und plapperte drauf los. Und da habe ich den Mut gefasst und habe sie ausgefragt. Und wir haben tolle Gespräche gehabt über diese Tumorerkrankung. Und zehn Tage später ungefähr habe ich den Kollegen meines Mannes getroffen und bin auf ihn drauf zu und habe ihn über seine Chemotherapie ausgefragt und habe nur gesehen, wie er anfing zu strahlen, dass endlich mal jemand mit ihm spricht der sich dafür interessiert, wie seine Behandlung ist, wie sein Leben mit dieser Erkrankung ist. Und dadurch konnte ich verstehen, dass viele sich abgewandt haben, weil sie einfach nicht wussten, wie sollen sie mit mir sprechen. Die Angst davor, nicht, es gibt auch Menschen, die denken, Krebs ist ansteckend, aber hier ist eher die Angst davor: „Kann ich eigentlich fragen: Wie geht‘s dir? Wie ist deine Diagnose? Hast du Angst vor dem Sterben?“ Um Gottes Willen, da spricht man ja drüber. Aber ich denke mal, schafft einfach ein Stück Normalität. Man sollte auf andere Tumorpatienten immer zugehen, genauso als ob jemand einen gebrochenen Fuß hat oder einen Herzinfarkt hatte, weil er hat eine Erkrankung. Man kann am Herzinfarkt sterben, man kann beim gebrochenen Fuß sterben, wenn man sich einen Krankenhauskeim einfängt oder wie auch immer. Aber es ist eine Erkrankung, die das Leben bedroht, aber das machen andere Erkrankungen auch. Und warum machen wir da einen Unterschied?

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