Ernährungs-Coach: Was beim Essen stärkt!
Dies ist ein Veranstaltungsinhalt von SURVIVORS HOME am 23.04.2026.
Ernährungscoach Nathalia Behrendt, Diätassistentin bei konZ-E-B-T Care, zeigt in diesem Videobeitrag aus der Wissensreihe des SURVIVORS HOME Berlin, wie Essen gezielt als Ressource eingesetzt werden kann – körperlich, psychologisch und sozial. Im Mittelpunkt steht nicht die perfekte Ernährung, sondern die Frage: Was tut mir gut, und was stärkt mich in meiner konkreten Situation?
Was ist eine Ressource?
Nathalia Behrendt erklärt den Begriff Ressource als kraftgebende Quelle – vergleichbar mit einem Hobby, einem Spaziergang oder einem geselligen Eisessen mit Freunden. Im Kontext einer Krebserkrankung gewinnt diese Frage besonderes Gewicht: Diagnose, Therapie und Nebenwirkungen erzeugen erheblichen Stress, der die eigenen Kraftreserven stark beansprucht. Ernährung kann eine dieser Quellen sein – wenn sie bewusst und situativ eingesetzt wird.
Ernährung als Begleitung – nicht als Wundermittel
Die Referentin betont klar: Ernährung kann eine Tumorerkrankung weder heilen noch allein bekämpfen. Sie ist jedoch ein sinnvolles Begleitinstrument. Lebensmittel liefern die biologische Energie, die der Körper benötigt, um Therapien zu überstehen. Entscheidend ist dabei immer die individuelle Situation – Therapiephase, Tumorlage, Beschwerdebild und persönliche Verträglichkeit.
Körperliche Kraft: Energie, Eiweiß und kleine Mahlzeiten
Ein zentrales Thema des Beitrags ist die ausreichende Energieversorgung. Nathalia Behrendt empfiehlt, starre Mahlzeitenrhythmen aufzuweichen und stattdessen viele kleine, verteilte Mahlzeiten über den Tag einzuplanen. Besondere Bedeutung kommt dabei Proteinen (Eiweiß) zu: Sie unterstützen Immunsystem, Wundheilung und Muskelstoffwechsel – alles Faktoren, die für das Bestehen einer Therapie und möglicher Operationen entscheidend sind. Da das Hungergefühl durch Therapie oder Tumorlage verändert sein kann, sollte das Essen nicht allein vom Hungersignal abhängig gemacht werden.
Nebenwirkungen ernährungstherapeutisch begegnen
Übelkeit, Geschmacksveränderungen, Schluckbeschwerden, Mundtrockenheit und Verdauungsprobleme gehören zu den häufigen Begleiterscheinungen einer Krebstherapie. Ernährungstherapeutisch lassen sich viele dieser Nebenwirkungen gezielt lindern – individuell und symptombezogen. Pauschale Empfehlungen greifen hier selten; stattdessen braucht jede Person einen auf sie abgestimmten Ansatz. Wer seine Beschwerden reduziert, gewinnt in der Regel auch wieder mehr Appetit und Energie zurück.
Kontrolle, Genuss und Lebensfreude zurückgewinnen
Eine Krebserkrankung erzeugt häufig das Gefühl von Kontrollverlust. Bewusstes Essen kann dieses Gefühl teilweise ausgleichen: Was ich esse, wie viel ich esse und wann ich esse, kann ich selbst bestimmen. Nathalia Behrendt ermutigt dazu, Lieblingsspeisen und angenehme Esssituationen aktiv in den Alltag einzubauen – und den Druck, immer „perfekt gesund“ essen zu müssen, bewusst zu reduzieren. Genuss ist kein Gegensatz zur Ernährungstherapie, sondern Teil davon.
Die soziale Komponente des Essens
Essen in Gesellschaft fördert nachweislich die Nahrungsaufnahme. Wer allein lebt oder isst, hat es oft schwerer, regelmäßig und ausreichend zu essen. Die Referentin regt an, soziale Esssituationen – auch kleine und alltägliche – bewusst zu suchen und als Ressource zu nutzen. Gemeinsame Mahlzeiten schaffen Wohlbefinden und können die Essbereitschaft spürbar verbessern.
Kein Schema F – Individualität als Prinzip
Abschließend unterstreicht Nathalia Behrendt: Es gibt keinen universellen Ernährungsfahrplan für Krebsbetroffene. Jede Person bringt ein eigenes Beschwerdebild, eigene Vorlieben und eine eigene Situation mit. Die drei Leitfragen lauten: Ist es gesund? Schmeckt es mir? Vertrage ich es gerade? Aus diesen drei Bausteinen lässt sich individuell ein tragfähiger Ansatz entwickeln – flexibel, zwanglos und mit Raum für Lebensfreude.
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