KI als Sparringspartner für Arztgespräche, Befunde & Entscheidungen
Dies ist ein Veranstaltungsinhalt von SURVIVORS HOME am 16.04.2026.
Künstliche Intelligenz kann im Krankheitsalltag weit mehr leisten als eine einfache Suchmaschine. In diesem Videobeitrag aus der KI-Veranstaltungsreihe von SURVIVORS HOME Berlin zeigt Franziska Ivens – selbst an Brustkrebs erkrankt und Expertin für KI & Digitalisierung am Fraunhofer HHI – wie Betroffene KI als Sparringspartner nutzen können: zum Verstehen von Befunden, zur Vorbereitung von Arztgesprächen und zur Strukturierung von Therapieentscheidungen. Dies ist Teil 2 der dreiteiligen Reihe.
Das Sparringsprinzip: Nicht bei der ersten Antwort aufhören
Eine einzige Frage an die KI reicht selten aus. Ivens beschreibt das Sparringsprinzip: Im Dialog wird die KI schrittweise zu präziseren, tieferen Antworten geführt. Wer konkreten Kontext, ein Ziel und ein gewünschtes Format mitliefert, erhält deutlich hochwertigere Ergebnisse als bei einer flachen Einzelfrage. Das Prinzip: Antwort erhalten, nachfragen, verfeinern – so lange, bis das Ergebnis wirklich hilft.
Halluzinationen und Warnsignale erkennen
KI-Modelle arbeiten mit Wahrscheinlichkeiten – und erfinden manchmal Quellen oder Zahlen, wenn sie keine verlässlichen Daten haben. Dieses Phänomen heißt Halluzination. Ivens nennt drei klare Warnsignale: sehr präzise Zahlen ohne Quelle, absolute Aussagen wie „immer“ oder „grundsätzlich“ sowie Antworten, die sich zu glatt anfühlen. In allen drei Fällen lohnt sich kritisches Nachfragen.
Drei Prüffragen für jeden KI-Dialog
Um KI-Antworten abzusichern, empfiehlt Ivens drei konkrete Rückfragen: „Bist du dir bei dieser Aussage sicher?“ – „Nenne mir Quellen.“ – „Was könnte an dieser Antwort falsch sein?“ Diese Fragen bringen die KI dazu, eigene Unsicherheiten offenzulegen und die Antwortqualität zu verbessern.
Befunde verstehen: Live-Demonstration mit anonymisiertem Beispiel
Anhand eines fiktiven Brustkrebsbefunds zeigt Ivens live, wie die KI medizinische Angaben in verständliche Sprache übersetzt. Danach werden gezielte Folgefragen gestellt: Was könnte ich missverstehen? Was sollte ich meine Ärztin fragen? So entsteht schrittweise eine persönliche Fragenliste für das nächste Arztgespräch – ohne dass die KI dabei medizinische Entscheidungen trifft.
Therapieentscheidungen strukturieren
Wenn zwei Therapieoptionen im Raum stehen, kann KI helfen, den Überblick zu behalten: Optionen nebeneinander stellen, Unterschiede benennen und Fragen aufzeigen, die noch nicht bedacht wurden. Ivens demonstriert dies an einem fiktiven Fall: eine Patientin mit klarem persönlichem Ziel, deren Kontext die KI-Antwort spürbar verändert. Die KI trifft keine Entscheidung – sie macht die eigene Entscheidungsgrundlage sichtbarer.
Die persönliche Situation als entscheidender Faktor
Ein zentrales Prinzip des Vortrags: Die KI kennt die persönliche Situation nicht – und sie muss sie kennenlernen, damit die Antworten wirklich passen. Ivens zeigt, wie sich das Ergebnis verändert, wenn man Lebensumstände, persönliche Zielstellungen und psychische Belastbarkeit mit in den Prompt gibt. Fragen wie „Was bedeutet Sicherheit für dich genau?“ oder „Welche Fragen würde eine erfahrene Onkologin stellen?“ helfen, blind spots im eigenen Denken zu entdecken.
Praktische Prompt-Vorlagen und Hinweise zur nächsten Folge
Der Beitrag schließt mit konkreten Prompt-Vorlagen, die direkt übernommen werden können, sowie dem Hinweis auf Teil 1 der Reihe. Teil 3 widmet sich KI für Alltag und Energie – u. a. dem Umgang mit Energiemangel, schwierigen Nachrichten und Kommunikation im Krankheitsalltag. Wichtiger Hinweis: KI ersetzt keine ärztliche Beratung. Alle medizinischen Fragen sollten mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.