InfoReihe KREBS: Wenn Krebs bleibt: 12 Jahre leben mit Metastasen – zwischen Medizin und Selbstwirksamkeit
Dies ist ein Veranstaltungsinhalt von SURVIVORS HOME am 11.03.2026.
In der InfoReihe KREBS geht es um die Frage, wie ein Leben mit Metastasen heute gelingen kann. Der Abend verbindet den medizinischen Blick von PD Dr. Arndt Stahler mit den Erfahrungsperspektiven von Dr. Babett Baraniec, Ananda Marion Gittner und Mag. Claudia Altmann-Pospischek. Im Mittelpunkt stehen moderne Behandlungsmöglichkeiten, Selbstwirksamkeit im Umgang mit der Erkrankung und die Frage, wie Lebensqualität im Alltag erhalten werden kann.
Metastasierter Krebs verändert Medizin und Alltag
Deutlich wird: Ein Leben mit metastasiertem Krebs ist für viele Betroffene heute über lange Zeit möglich. Damit verändert sich nicht nur die medizinische Versorgung, sondern auch der Blick auf Zukunft, Planung und Alltag. Die Erkrankung bleibt, zugleich bleibt aber auch das Leben mit seinen Beziehungen, Aufgaben, Wünschen und Zielen.
Babett Baraniec: Wissen, Mitentscheidung und neue Perspektiven
Babett Baraniec schildert ihren persönlichen Weg über viele Jahre mit Metastasen und zahlreichen Behandlungsschritten. Sie beschreibt, wie wichtig es ist, zwischen Angst, medizinischer Realität und dem eigenen Lebensentwurf zu unterscheiden. Besonders zentral ist für sie ein informierter Umgang mit der Erkrankung: verlässliche Informationen, klare Fragen im Arztgespräch und ein verständlicher nächster Schritt geben Orientierung.
Ihre Kernbotschaft lautet: Auch mit einer chronischen Krebserkrankung kann Leben aktiv gestaltet werden. Nicht nur Heilung ist ein sinnstiftendes Ziel, sondern auch Stabilität, Teilhabe und die bewusste Entscheidung, dem Leben weiter Raum zu geben.
Alltag mit Metastasen: Zwischen Planung, Unsicherheit und Lebensfreude
Im Podium wird deutlich, wie unterschiedlich Menschen mit der Diagnose umgehen. Ananda Marion Gittner beschreibt die erste Zeit nach der Metastasierungsdiagnose als Schock und betont, wie wichtig Begleitung, Zeit zum Verarbeiten und ein ruhiger, verlässlicher Umgang mit Informationen sind. Claudia Altmann-Pospischek spricht darüber, wie aus der anfänglichen Überforderung schrittweise Handlungskraft entstehen kann.
Trotz aller Unsicherheit geht es für die Gesprächsteilnehmerinnen nicht nur um Krankheit, sondern auch um Zukunft. Reisen, Begegnungen, Kultur, Familie und kleine persönliche Ziele werden zu wichtigen Fixpunkten. Zukunft wird dabei nicht ausschließlich als fernes Ziel verstanden, sondern auch als bewusste Gestaltung des gegenwärtigen Lebens.
Selbstwirksamkeit braucht Orientierung und Austausch
Ein wiederkehrendes Thema des Abends ist Selbstwirksamkeit. Sie entsteht nicht aus dem Anspruch, alles kontrollieren zu können, sondern aus Wissen, Gesprächsfähigkeit und guter Begleitung. Dazu gehören verständliche Informationen, realistische Planung und der Austausch mit Menschen, die ähnliche Erfahrungen machen.
Besonders hervorgehoben wird die Bedeutung von Netzwerken und Selbsthilfe. Gemeinschaft kann entlasten, Erfahrungen bündeln und in schwierigen Phasen auffangen. Das Gespräch macht deutlich, dass niemand diesen Weg als Einzelkämpfer gehen muss.
Was sich im System ändern muss
Die Podiumsgäste benennen auch strukturelle Defizite. Menschen mit Metastasen wünschen sich mehr Sichtbarkeit, mehr psychoonkologische Unterstützung und eine Versorgung, die nicht nur auf Tumorkontrolle, sondern auch auf Lebensqualität ausgerichtet ist. Dazu gehören passgenaue Reha-Angebote, bessere Begleitung für Angehörige und Kinder sowie eine stärkere Wahrnehmung metastasierter Erkrankungen als lang andauernde Lebensrealität.
Ein Abend über Realität, Mut und Teilhabe
Der Beitrag zeigt, dass ein Leben mit Metastasen von Unsicherheit geprägt ist, aber nicht auf Hoffnungslosigkeit reduziert werden darf. Medizinische Entwicklung, persönliche Strategien, psychosoziale Unterstützung und gemeinsame Erfahrungsräume können dazu beitragen, mit der Erkrankung informiert und aktiv zu leben. Gerade darin liegt die Stärke dieses Abends: Er spricht offen über Belastungen und macht zugleich sichtbar, dass zwischen Behandlung, Alltag und Lebensqualität reale Gestaltungsräume bestehen.